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Mann arbeitet im Kindergarten: Hans Schneider

Obwohl sich die Bundesregierung für mehr Männer in Kitas einsetzt, liegt der Zuwachs im Promillebereich: Von 3,8 (2011) auf aktuell 5,7 Prozent stieg der Männeranteil bundesweit. Im Lauenburgischen ist der Zuwachs größer. Ein Erzieher aus Mölln berichtet aus der „Frauendomäne“.


„Ich fühle mich sehr wohl in dem Job. Wenn die Kinder mich am Morgen anstrahlen, ist jeder Stress schnell vergessen“, sagt Hans Schneider. Der 29-jährige Möllner arbeitet als Erzieher in der Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Basthorst und damit ist er laut Statistik fast schon ein Exot. In seiner Kita arbeitet er zusammen mit acht Frauen. Und auch in der Ausbildung am Berufsbildungszentrum in Mölln konnte er die männlichen Mitschüler an einer Hand abzählen. In seiner Klasse machten 17 Jugendliche den Abschluss zum Erzieher, davon waren nur drei Männer.

Ein Mann in einem von Frauen dominierten Beruf: Hans Schneider (29), Erzieher in der Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Basthorst ist ein Exot. Noch. Der Männeranteil steigt.

Foto: HFR

Im Kreis Herzogtum Lauenburg liegt der Anteil der Männer in Kindertagesstätten bei immerhin 7,0 Prozent. Damit kletterte er um 1,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Und in der Bundesliga der Kita-Erzieher belegt der Kreis Herzogtum Lauenburg den 62. Platz unter 402 bundesweit erfassten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Die niedrigste Männer-Quote hat der Kreis Dingolfing-Landau in Bayern: 0,4 Prozent. Spitzenreiter ist Frankfurt am Main mit 15 Prozent.


Kindergärten und Kfz-Werkstätten haben eines gemeinsam: Es fehlt das jeweils andere Geschlecht. Noch sind Männer die Ausnahme in Kindergärten. Gender-Fans ist beides ein Dorn im Auge. Damit das im Kindergarten nicht so bleibt,legte das Bundesfamilienministerium das Programm „Männer in Kitas“ auf: 16 Träger von Kindertagesstätten in 13 Bundesländern erprobten zwischen 2011 und 2013 Konzepte und Strategien, um mehr männliche Fachkräfte für Kitas zu gewinnen.


Die Arbeit der Modellprojekte zu den Themen Berufsorientierung, Öffentlichkeitsarbeit, Gender in der pädagogischen Arbeit, Männerarbeitskreise, Generalverdacht und Schutzkonzept, Väter und Elternarbeit wurden zu „Praxis-Handreichungen“ zusammengefasst. Im Kreis Herzogtum Lauenburg zeigte der Ruf nach mehr Männern durchaus gewissen Erfolg: Hier erhöhte sich die Männer-Quote von 3,4 (Jahr 2011) auf 7,0 (Jahr 2017) Prozent.


2014 nach Ende der Kampagne lag die Männerquote im Kreis Herzogtum Lauenburg bei 3,4 Prozent. In Schleswig-Holstein hat sich die Quote von 6,0 auf 8,0 Prozent entwickelt. Das ändert aber nichts daran, dass die Erziehungstätigkeit in den Kindertageseinrichtungen von Frauen dominiert wird.


„Für die meisten Kinder ist es völlig normal, von einem Mann betreut zu werden. Kinder aus Familien, in denen ein Vater fehlt oder wenig zu Hause ist, hängen natürlich mehr an mir“, berichtet Hans Schneider. Er bereut es nicht, nach seiner Ausbildung zum Veranstaltungs-Kaufmann noch die Ausbildung zum Erzieher absolviert zu haben. Was seiner Meinung nach Menschen von der Berufswahl Erzieher abhalten könnte, sind die vergleichsweise geringe Bezahlung im sozialen Bereich und die lange Ausbildung. Wer keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, muss zunächst die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten (zwei Jahre) und im Anschluss die Ausbildung zum Erzieher durchlaufen (drei Jahre).


Das Bundesfamilienministerium verweist auf die von ihm geförderte Tandem-Studie. Dieser zur Folge sei es europaweit gewünscht, die Fachkräftequote in Kindertagesstätten zu erhöhen. Das sei mit der Erwartung verbunden, dass hierdurch eine größere Vielfalt im pädagogischen Alltag entstehe. Unterstellt wird, dass zum einen Männer anders mit Kindern umgehen als Frauen und andere Lernund Spielangebote machen. Zum anderen wird insbesondere bezogen auf Jungen darauf verwiesen, dass männliche Fachkräfte als Rollenvorbilder und männliche Identifikations-Figuren dienen können.


Doch es gibt auch Vorbehalte gegenüber Männern in Kitas. „Ich habe es in meiner Ausbildung schon erlebt, dass einzelne Eltern nicht wollen, dass männliche Erzieher ihre Kinder wickeln oder zur Toilette bringen“, berichtet Schneider. In der jetzigen Kita gab es damit bisher keine Probleme. Schneider fragt die Kinder dennoch vorher. Im Zweifel müsste eine Kollegin einspringen. Doch das sei bisher nicht vorgekommen.


22. August 2018, Lübecker Nachrichten, von Florian Grombein und Teja Banzhaf